Ein 20-jähriger Torwart erleidet bei einem Zusammenstoß eine Knochenprellung am Schienbein. Zwei fast identische Befunde, zwei Behandlungswege: einmal mit Entlastung allein, einmal mit Entlastung und Osteopathie. Der Fallbericht dokumentiert beide Verläufe mit MRT-Aufnahmen.
Der 20-jährige Torwart verletzte sich bei einem Fußballspiel am linken Schienbein. Nach einem heftigen Zusammenprall mit einem Gegenspieler hatte er starke Schmerzen an der Außenseite des linken oberen Unterschenkels.
Um das Ausmaß der Verletzung zu klären, wurde wenige Tage später ein MRT angefertigt. Es zeigte eine Flüssigkeitsansammlung im lateralen Tibiaplateau. Die Ärzte diagnostizierten einen Bone Bruise, also ein Knochenmarködem nach Knochenprellung.
Die Ärzte verordneten Ruhe und eine völlige Entlastung des linken Beins für mindestens fünf Wochen. Der Fußballer trainierte nur den Oberkörper. Weitere passive oder aktive Behandlungen fanden nicht statt.
Die Schmerzen am Schienbein nahmen von Woche zu Woche ab. Etwa vier Wochen nach dem ersten MRT konnte er kurze Strecken ohne Gehhilfen gehen. Das Kontroll-MRT zeigte eine positive Entwicklung: Die Flüssigkeitsansammlung war rückläufig.
[Abb. 2]
Wegen der Schmerzfreiheit und des guten Befunds setzten die Ärzte ein 14-tägiges Integrationstraining im schmerzfreien Bereich an. Das Aufbautraining verlief ohne Rückfälle. Nach einem erfolgreichen wettkampfnahen Belastungstest durfte der Sportler wieder am Mannschaftstraining teilnehmen.
Nach vier Wochen schmerzfreiem Mannschaftstraining traten während einer Trainingseinheit die gleichen Beschwerden an derselben Stelle wieder auf. Er musste pausieren.
Das neue MRT zeigte einen ähnlichen Befund wie die Erstdiagnose, sogar etwas ausgeprägter. Der Spieler war mental am Tiefpunkt. Die Ärzte verordneten erneut fünf Wochen völlige Entlastung mit Krafttraining für den Oberkörper. Diesmal wurde er zusätzlich osteopathisch behandelt.
[Abb. 3]
Vor der ersten Behandlung stand ein ausführliches Gespräch über das Vorgehen und den weiteren Verlauf. Dabei kam es bewusst auf viel Empathie an, um die Rehabilitation positiv zu beginnen.
Der osteopathische Befund zeigte ein Ungleichgewicht der vorderen gekreuzten Muskelketten im Verhältnis zu den hinteren sowie eine deutlich erhöhte Malleabilität (Verformbarkeit) der linken Tibia. Im visceralen und im kraniosakralen Bereich fand sich nichts Auffälliges.
Zunächst wurde versucht, die Muskelketten ins Gleichgewicht zu bringen. Danach folgte die Arbeit am Knochengewebe mit einer BMT-Technik. Durch den Konzentrationsausgleich wurde die Dynamik der Kräfte im Knochengewebe spürbar, im behandelten Bereich entstand Wärme. Die Behandlung wurde im Abstand von zwei Tagen wiederholt.
Der Heilungsprozess machte gute Fortschritte. Nach zwei Wochen konnte der Patient kürzere Strecken schmerzfrei ohne Unterarmgehstützen gehen. Nach 17 Tagen zeigte ein weiteres MRT ein sehr überzeugendes Ergebnis: Das Knochenmarködem war deutlich abgeklungen.
[Abb. 4]
Es folgten Vollbelastung und zusätzliches Aufbautraining. Zwei Wochen später kehrte der Spieler ins Mannschaftstraining zurück und hielt der täglichen Teambelastung schmerzfrei stand. Im fünften MRT waren kaum noch Anzeichen einer Flüssigkeitsansammlung zu erkennen.
[Abb. 5]
Zwei identische Ausgangsbefunde wurden in den jeweiligen Phasen unterschiedlich behandelt. Die erste Behandlungsserie bestand allein aus Entlastung und dauerte 7,5 Wochen bis zum vollständigen Einstieg ins Mannschaftstraining. In der zweiten Serie kamen zur Entlastung osteopathische Behandlungen hinzu. Die Genesung dauerte nur fünf Wochen.
2,5 Wochen frühere Einsatzfähigkeit wirken auf Außenstehende gering. Im Profisport ist das anders: Wer vier Jahre auf Olympische Spiele oder eine Fußball-WM hintrainiert, für den sind 2,5 Wochen ein großes Geschenk.
Hinweis Der Fallbericht beschreibt einen Einzelfall; er zeigt, was möglich ist, ersetzt aber keine Studie.

Patrick Bick ist Physiotherapeut und selbstständiger Osteopath in Leipzig und Dozent für Myoreflextherapie. Von 1998 bis 2012 war er Fußballprofi (bei Saarbrücken, Augsburg, Braunschweig, Wehen Wiesbaden und RB Leipzig), von 2013 bis 2015 leitete er die medizinische Abteilung von Eintracht Braunschweig, von 2015 bis 2017 die von RB Leipzig. Mehr über Patrick Bick
Bick P. Osteopathie bei Bone Bruise. DO – Deutsche Zeitschrift für Osteopathie 2019; 17: 18–20. DOI: 10.1055/a-0830-3321. © Georg Thieme Verlag KG, Stuttgart. Veröffentlicht mit Genehmigung.
Literatur im Originalbeitrag: Catalá-Lehnen P, Häußer J. Bone Bruise. Sportärztezeitung 2017; 2: 26–28.
Patrick Bick behandelt Sportlerinnen und Sportler in seiner Praxis in Leipzig.